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Langes Leb'n II

Der "Langes" – der Frühling – ist da. Laut Kalender zumindest. Auch die ersten Himmelschlüssel blühen im Pfarrgarten. Aber noch gibt sich der Winter nicht geschlagen und fährt noch einmal seine Krallen aus: Während dem für Kultur am Berg traditionellen gemeinsamen Gebet am Friedhofskreuz vor der Veranstaltung treibt er Schneeschauer durch die nächtliche Luft.

Wolfgang Horvath lässt sich davon aber nicht beeindrucken und stellt auch diesen Abend mit einem einführenden Gedicht ins Zeichen des Frühlings bevor er dann am Klavier in die Tasten greift. Und “Trautmann”-Darsteller Wolfgang Böck wirkt ohnehin so, als ob er sich von niemandem einschüchtern ließe. In seiner unnachahmlichen Sprache greift er tief ins wienerische Sprachgefühl wenn er aus “da Jesus & seine Hawara” liest. 

Als Wolfgang Teuschl 1971 diese Übertragung des Evangeliums ins Wienerische herausgab, wurde es als Skandal bezeichnet, aber gleichzeitig gab es auch Stimmen, die sagten, dass seit Luther niemand mehr so genau dem Volk auf's Maul geschaut habe. Wolfgang Böck jedenfalls gelingt es auf wunderbare Weise, diese Texte zum Leben zu erwecken, Texte, in denen durch die ungewohnte Sprachform plötzlich viel vom Witz und Humor sichtbar wird, denen aber auch viel Schmerz und Trauer innewohnt. Böck vermag beides zu transportieren und verzaubert die Pöllinger Kirche in einen Ort des andächtigen Lauschens.

Die musikalischen Bindeglieder zwischen den einzelnen Textblöcken sind geprägt von der Spielkraft und der eingespielten Improvisationsfreude von Edgar Unterkirchner und Wolfgang Horvath, die ja auch im Duo i diOscuri seit vielen Jahren zusammenarbeiten. 

So entsteht ein gut verwobener Abend aus Musik und Text, als Performance genießbar, aber weit darüber hinausverweisend, insbesondere zwei Wochen vor Ostern.