Drückend liegt die Hitzewelle nicht nur im Lavanttal. Rund um die Pöllinger Kirche aber, die unter blauem Sommerhimmel auf dem saftig grünen Bergrücken der Saualm trohnt, weht ein feines Lüfterl und macht den Kopf frei von all den Alltagsdingen, die man möglicherweise aus dem Tal mit heraufgenommen hat.
All jenen, bei denen die leichte Briese nicht reicht, um den Kopf frei zu bekommen, hilft Kapuzinerbruder Rudolf Leichtfried, Leiter des Stille–Klosters Irdning im Ennstal: mit sprühender Frische und unerwartetem Schalk in den Augen und in seinen Geschichten erzählt er dem Moderator Edgar Unterkirchner aus seinem Leben, philosophiert über den heiligen Antonius und den inneren Schweinehund, die Bedeutung des Lichtes, der Liebe und der Stille und führt auch gleich die Besucher gemeinsam mit seinen Gesprächspartnern in der gut gefüllten Pfarrkirche in eine Atemübung.
Auf den ersten Blick dem Klosterbruder aus der Stille diametral entgegengesetzt, nämlich aus der Kommunikationsbranche von Film und Fernsehen, erweist sich Karoline Thaler, die zweite Gesprächspartnerin von Edgar Unterkirchner, aber als ebenbürtig in der Tiefe ihrer Einsichten und in der Direktheit ihrer authentischen Antworten. Humorvoll und immer wieder auch sehr persönlich führt sie in ihre Arbeit als Regisseurin von Dokumentationen wie das erst am 19. April 2026 im ORF ausgestrahlte Portrait über Edgar Unterkirchner ein. Rasch zeigt sich, dass in ihrer Arbeit Liebe für's Detail aber auch die Offenheit für die Menschen, mit denen sie Arbeitet ganz essentiell sind, ebenso wie die Bereitschaft, auch spirituelle Themen aus neuen Perspektiven zu erkunden.
So fügt sich ein sehr stimmiges Gespräch voller Witz und Herzlichkeit über das wertschätzende Miteinander, über das Brückenbauen zwischen Menschen und über die Bedeutung von Respekt für andere und Raum für die Dimension des Glaubens zusammen. Ein Gespräch, in dem mit großer Leichtigkeit auch herausfordernde Themen wie der Wert des persönlichen Glaubens, schmerzlicher Verlust und die Herausforderung, sich dem eigenen Ich zu stellen, aufgegriffen und ohne moralische Keule verhandelt werden.
Rudolf Leichtfried, der ja Musiker werden wollte bevor er ins Kloster ging, hat die Liebe zur Musik nie verloren. Edgar Unterkirchner dagegen, der ursprünglich ins Kloster gehen wollte, wurde durch die Begegnung mit Bruder Rudolf für seinen Weg als Musiker offen. Musik ist daher nach wie vor etwas, das die beiden verbindet. Für die Besucher in der Pöllinger Kirche wird das auch erlebbar: zwischen den einzelnen Gesprächsblöcken greifen die beiden zu Gitarre und Saxophon und plötzlich erhalten “Tabernakelwalzer” neue Dynamik und künstlerische Ausdruckskraft. Besonders ergreifend waren die Momente, in denen Bruder Rudolf auch das Publikum einbindet und alle Anwesenden zu einem großen Chor zusammenwachsen. Mehrmals wird dann auch noch spontan der eigentlich als Besucher anwesende Schlagzeuger Stefan Lichtenegger eingebunden, dem Stammpublikum von Kultur am Berg bereits aus dem Vorjahr bekannt, als er mit der Gruppe EchoLoft in Pölling zu Gast war.
Nach dem letzten Musikstück schwappt dann das wertschätzende Miteinander hinaus aus der Pöllinger Kirche auf den Kirchplatz und setzt sich im Festzelt bei Schweinsbraten und Kärntnernudeln fort.