Ich sitze also wieder einmal gespannt in der Kirche von Pölling und versuche, bevor es losgeht, darüber nachzudenken, was denn mir der Frühling/Spring sei – der Anblick blauer Fensterläden? Wuthering Heights? Der Reinigungsflug der Bienen? – als sich mir an dieser Stelle (laut Notizblock) eine Frage aufdrängt: Was hält eine Gemeinschaft zusammen? Wie wird aus dem Ich ein Wir? Wobei die Frage einseitig gestellt sein dürfte. Es muss wohl heißen: Wer hält eine Gemeinschaft zusammen? Aber wie, Jessas, lautet die Antwort?
Stetes neu beginnen und experimentieren als ein „Sich-aufeinander-einlassen“ und gemeinsames Atmen scheint für springlebendige Musiker wie Hannah Senfter (Harfe, Klavier, Vox), Matthias Haslinger (Tuba, Klavier), Stefan Lichtenegger
(Schlagwerk) und Edgar Unterkirchner (Saxofon, Klarinette) Unser täglich Brot zu sein. Jedenfalls spornt das Setting die Musiker auf angenehmste Weise zu Höchstleistungen an („Ich will den besten Stefan herzeigen, den ich da machen
kann“/Original-Ton Stefan Lichtenegger).
Ich erinnere Springlebendig außerdem als sympathisch-polternde Tuba, rasante Tempowechsel, energischen Harfensound und viele, in Musik eingewobene Geschichten des Lebens. So manchen Gast, auf bloße musikalische Berieselung aus, mag das alles im positiven Sinne überfordern. Auch die vielseitig begabten Pausen-Netzwerker ziehen unverrichteter Dinge wieder aus Pölling ab und kommen vielleicht so schnell nicht wieder (Farewell!). Euch allen sei gesagt: Die KaB-Konzerte eignen sich nicht dafür, andere zu Zeitvertreib oder Steigbügel zu degradieren. Dafür aber stecken sie an, mit Holladiridio und Menschsein*.
Die Antwort auf oben gestellte Frage nach dem Wer in der Gemeinschaft lautet deshalb – bei aller Wirkmacht der Musik, deren Quell und Ursprung immer Weltmusiker Edgar Unterkirchner ist – wie folgt: Bei meiner vierteljährlichen Rückkehr in diesen wirkmächtigen Kärntner Ort oberhalb von St. Andrä sind mir die vertrauten Gesichter der Pfarrkulturinitiative, die mich vor und nach jedem Konzertereignis begrüßen als Freund/in, immer das Liebste. Ich weiß schon, das Alles umfasst die Ereignisse dieses Frühlingskonzerts nicht wirklich. Fürs erste (und weil das Jahr noch jung ist) muss es trotzdem reichen, sich ein paar neue Federn wachsen zu lassen.
*Analog zur Heiligen Hochzeit im religiös-mystischen Zusammenhang stellte die Chymische Hochzeit in der Alchemie die Vereinigung der polaren Gegensätze dar, um eine neue Qualität zu schaffen.
Interpretation: Dieser geistig-seelische Prozess des “Mysteriums Coniunctionis” symbolisiert den Individuationsprozess, die damit verbundene Gegensatz-Vereinigung als Ausdruck der Selbstwerdung des Menschen (Selbst). Dieser Prozess steht im Zentrum des Werks von C. G. Jung, der nicht nur unter dem Titel "Mysterium Coniunctionis" sein Spätwerk publiziert hat, sondern der sich lebenslang mit der zugrundeliegenden Symbolik beschäftigte, wie auch sein Briefwechsel zeigt.
Quelle: WIKIPEDIA Symbolonline