"Langes Leb'n" – ein Wortspiel, das gleichermaßen in die vorösterliche Zeit, wie auch in die ländlliche Umgebung der Saualm passt:
Zum einen ist da der Wunsch – für sich selbst, für andere – nach einer ausgedehnten Lebensspanne. Die Botschaft des Evangeliums, welche uns Wolfgang Böck an diesem Abend mit seinem unnachahmlichen herben, aber zugleich liebenswerten "weana" Zungenschlag in der Übertragung ins Wienerische von Wolfgang Teusch näherbringt, diese Botschaft des Evangeliums verspricht uns da ja das Optimum in der Erlösung zum ewigen Leben.
Gleichzeitig ist "Langes" aber auch in vielen alpinen Regionen der Name des Frühlings, so wie der Lenz in den nördlicheren Gefilden. "Langes Leb'n" beschreibt also auch das Regen der Natur zu dieser Jahreszeit, das sich hier auf der Schulter der Saualm spürbar erst langsam aus den noch kalten Böden der Wiesen und Weiden rund um die Pfarrkirche Pölling kämpft.
Der dritte Wolfgang des Abends – Wolfgang Horvath, Dirigent, Kirchenmusiker, Sprecher und Intendant des Festivals TraumKlänge und bis 2024 auch Gründer und künstlerischer Leiter von ORGELockenhaus, des Chores und der Konzertreihe Musica Sacra Lockenhaus sowie der Kammerphilharmonie Lockenhaus – eröffnet den Abend lyrisch und stimmt damit auf das Frühlingsthema ein, bevor er sich voller leidenschaft dem Klavier widmet. In spannenden, teils auch improvisierten Duetten gestaltet er gemeinsam mit dem Saxophonisten Edgar Unterkirchner den musikalischen Rahmen für den Abend.
Der Theater- und Filmschauspieler sowie Theaterintendant Wolfgang Böck ist seit seiner Rolle als Polizist Trautmann im Kaisermühlenblues an der Seite von Marianne Mendt und dem daran anschließenden Spin-Off der Krimiserie Trautmann quasi ein österreichisches Kulturgut. Sprachlich bleibt Wolfgang Böck an diesem Abend ganz dem wiener Slang verbunden, inhaltlichgeht es aber um den vermutlich brühmtesten Justizmord der Weltgeschichte: Er liest Texte aus Wolfgang Teuschls “da Jesus & seine Hawara” – zwei Wochen vor Ostern fokussiert Wolfgang Böck dabei auf die Ereignisse in Jerusalem vor und nach Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Die Übertragung der biblischen Texte in den Dialekt ermöglichen einen neuen, frischen Zugang zu diesen klassischen Textpassagen. Wolfgang Böck gelingt es, die Texte in dramatischer, aber niemals respektloser Weise zu interpretieren. Immer wieder verleitet seine impulsive Lesung zum Lächeln, manchmal sogar zum spontanen, ausgelassenen Lachen. Er zeigt, wie viel Humor, Leben und Menschlichkeit in diesen Texten stecken. Gleichzeitig verleiht er aber auch der Trauer, dem Schmerz die notwendige Tiefe, so dass die Passionsgeschichte nie ins Lächerliche zu kippen droht.
Spannend, wie dieses wienerische Evangelium auch im 55. Jahr nach seiner Veröffentlichung noch ergreift und zur Diskussion anregt: Ähnlich, wie die Jahrtausende alten originalen biblischen Texte, wenn man sich darauf einlässt.
Musikalisch und Inhaltlich eine wunderbare Einstimmung auf die Osterzeit.